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Substanzprofile

HGH oder Peptide? Somatropin und GH-Sekretagoga im Vergleich

4 Min. Lesezeit

HGH-191AA- und CJC-1295-Vials neben einem Vergleich: Hormon von außen gegenüber Anregung der eigenen Hypophyse

„HGH oder Peptide?“ ist eine der häufigsten Fragen rund um die Wachstumshormon-Forschung. Gemeint ist der Unterschied zwischen dem Hormon selbst, rekombinantem Somatropin, und Peptiden, die die Hypophyse anregen, mehr eigenes Wachstumshormon freizusetzen. Beide erhöhen am Ende den GH- und IGF-1-Spiegel, aber auf grundverschiedenen Wegen, mit anderen Folgen für die Steuerung des Körpers und einem ganz anderen Zulassungsstand. Dieser Beitrag vergleicht beide Ansätze. Er beschreibt Forschung und enthält keine Anwendungs- oder Dosierungshinweise.

Das Wichtigste in Kürze

  • HGH (Somatropin) ist das Wachstumshormon selbst, ein Protein aus 191 Aminosäuren. Es ersetzt die eigene Ausschüttung.
  • GH-Sekretagoga wie CJC-1295, Tesamorelin und Ipamorelin sind Peptide, die die eigene Hypophyse anregen.
  • Bei Sekretagoga bleiben Pulsmuster und Rückkopplung erhalten; sie wirken nur bei funktionierender Hypophyse.
  • Somatropin ist für mehrere Indikationen zugelassen; von den Sekretagoga nur Tesamorelin in den USA. Alle stehen auf der WADA-Verbotsliste.

Was ist HGH?

HGH steht für Human Growth Hormone, menschliches Wachstumshormon. Der Wirkstoffname ist Somatropin. Es handelt sich um ein Protein aus 191 Aminosäuren mit zwei Disulfidbrücken, das die Hypophyse in Pulsen freisetzt, vor allem nachts. Seit 1985 wird es gentechnisch hergestellt; vorher stammte es aus menschlichen Hypophysen Verstorbener, was zu Übertragungen der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit führte und eingestellt wurde.

Somatropin ist zugelassen unter anderem bei Wachstumshormonmangel von Kindern und Erwachsenen, beim Turner- und Prader-Willi-Syndrom und bei chronischer Niereninsuffizienz im Kindesalter. Inzwischen gibt es auch lang wirkende Formen zur wöchentlichen Gabe. Mehr zum Molekül auf der Seite HGH 191AA.

Was sind GH-Peptide?

GH-Peptide, genauer Wachstumshormon-Sekretagoga, setzen kein Hormon von außen zu, sondern geben der Hypophyse ein Signal. Es gibt zwei Familien:

Ausführlich erklärt im Beitrag Ipamorelin, CJC-1295, Tesamorelin & Co..

Der entscheidende Unterschied: die Steuerung

Die Wachstumshormon-Achse ist ein Regelkreis. Der Hypothalamus gibt mit GHRH Gas und mit Somatostatin Bremse, das in der Leber gebildete IGF-1 meldet zurück, wenn genug Hormon wirkt.

MerkmalHGH (Somatropin)GH-Sekretagoga
WirkprinzipHormon von außenAnregung der eigenen Hypophyse
PulsmusterDurch Gabe bestimmtBleibt weitgehend erhalten
Rückkopplung durch IGF-1 und SomatostatinWird umgangenBleibt wirksam
VoraussetzungKeineFunktionierende Hypophyse
Eigene GH-BildungWird gedrosseltWird angeregt
ZulassungMehrere IndikationenNur Tesamorelin (USA)

Daraus folgt der wichtigste praktische Unterschied: Bei einem Mangel, bei dem die Hypophyse kein Wachstumshormon bilden kann, helfen Sekretagoga nicht. Umgekehrt begrenzt die erhaltene Rückkopplung bei Sekretagoga, wie hoch GH und IGF-1 steigen können.

Was zeigen die Studien?

Für Somatropin gibt es Jahrzehnte klinischer Erfahrung mit tausenden Patienten in den zugelassenen Indikationen. Für die Sekretagoga ist die Datenlage dünner: Tesamorelin hat Phase-3-Studien bei HIV-Lipodystrophie (siehe Tesamorelin: Wirkung, Studien und Zulassung), CJC-1295 DAC frühe Studien an Gesunden, Ipamorelin eine gescheiterte Phase-2-Studie (siehe Ipamorelin: Wirkung und Studienlage). Direkte Vergleichsstudien zwischen HGH und Sekretagoga gibt es kaum.

Risiken

Beide Ansätze teilen die typischen Folgen erhöhter GH- und IGF-1-Spiegel: Wassereinlagerungen, Gelenk- und Muskelschmerzen, Kribbeln in den Händen und eine verminderte Insulinempfindlichkeit. Weil IGF-1 Zellwachstum fördert, werden langfristig erhöhte Spiegel in der Forschung auch mit Krebsrisiken diskutiert. Bei Somatropin können die Spiegel weit über das natürliche Maß steigen; bei Sekretagoga begrenzt die Rückkopplung die Höhe, schließt Nebenwirkungen aber nicht aus. Ältere GHRPs erhöhen zusätzlich Cortisol, Prolaktin und Appetit.

Doping und Recht

Sowohl Wachstumshormon als auch alle GH-Freisetzungsfaktoren stehen auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur. Somatropin ist verschreibungspflichtig. Die Peptide sind, mit Ausnahme von Tesamorelin in den USA, nicht als Arzneimittel zugelassen und werden als Forschungsreagenzien angeboten.

Was ist mit „HGH Fragment 176-191“?

Trotz des Namens ist das Fragment kein Wachstumshormon und regt auch nicht dessen Ausschüttung an. Es ist ein kurzer Abschnitt vom Ende des Hormons, der in Tiermodellen auf den Fettstoffwechsel untersucht wurde. Mehr auf der Seite HGH Fragment 176-191.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen HGH und Peptiden?

HGH ist das Wachstumshormon selbst. GH-Peptide regen die eigene Hypophyse an, mehr Wachstumshormon freizusetzen, und lassen die körpereigene Steuerung bestehen.

Was ist besser, HGH oder Peptide?

Das hängt von der Fragestellung ab. In der Forschung dient HGH als Referenz für die Hormonwirkung, Sekretagoga als Werkzeug für die Physiologie der Achse. Medizinisch ist nur Somatropin breit zugelassen.

Wirken GH-Peptide ohne Hypophyse?

Nein. Sekretagoga brauchen eine funktionierende Hypophyse, weil sie nur deren eigene Ausschüttung anregen.

Sind HGH und GH-Peptide im Sport erlaubt?

Nein. Beide stehen auf der Verbotsliste der WADA.

Fazit

HGH und GH-Peptide verfolgen dasselbe Ziel auf verschiedenen Wegen: Ersatz des Hormons gegenüber Anregung der eigenen Bildung. Der Unterschied liegt in der Steuerung, in der Datenlage und im Zulassungsstand. Für die Forschung ergänzen sich beide; für Aussagen über Nutzen und Risiken am Menschen ist Somatropin deutlich besser untersucht.

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