Tesamorelin: Wirkung, Studien und Zulassung des GHRH-Analogons
Peptidkauf Redaktion4 Min. Lesezeit

Tesamorelin ist das einzige GHRH-Analogon, das heute als Arzneimittel zugelassen ist, allerdings nur in den USA und für eine eng umrissene Indikation. Für die Forschung ist es deshalb besonders wertvoll: Es gibt große, placebokontrollierte Studien am Menschen, was bei Peptiden der Wachstumshormon-Achse selten ist. Dieser Beitrag erklärt, wie Tesamorelin aufgebaut ist, wie es wirkt, was die Studien zeigen und welche Nebenwirkungen bekannt sind. Er beschreibt Forschung und enthält keine Anwendungs- oder Dosierungshinweise.
Das Wichtigste in Kürze
- Tesamorelin ist das vollständige GHRH aus 44 Aminosäuren mit einer stabilisierenden Gruppe am Anfang.
- Es regt die Hypophyse an, Wachstumshormon in natürlichen Pulsen freizusetzen; IGF-1 steigt.
- In Phase-3-Studien verringerte es bei Menschen mit HIV-assoziierter Lipodystrophie das viszerale Bauchfett.
- In den USA seit 2010 zugelassen, in der EU nicht. Es steht auf der Verbotsliste der WADA.
Was ist Tesamorelin?
Das Wachstumshormon-Releasing-Hormon (GHRH) aus dem Hypothalamus besteht aus 44 Aminosäuren. Im Blut wird es durch das Enzym DPP-4 in Minuten gespalten. Tesamorelin trägt die vollständige Sequenz, ergänzt um eine trans-3-Hexenoyl-Gruppe am N-Terminus. Diese kleine Änderung schützt vor dem Abbau, ohne die Wirkung am Rezeptor zu verändern.
Damit unterscheidet sich Tesamorelin von den verkürzten Analoga: Sermorelin umfasst nur die ersten 29 Aminosäuren, CJC-1295 ist ein veränderter 29er-Abschnitt. Wie die Peptide der Wachstumshormon-Achse zusammenhängen, erklärt Ipamorelin, CJC-1295, Tesamorelin & Co..
Wie wirkt Tesamorelin?
Tesamorelin bindet an den GHRH-Rezeptor der Hypophyse und löst dort die Freisetzung von Wachstumshormon aus. Anders als von außen zugeführtes Wachstumshormon bleibt dabei die körpereigene Steuerung erhalten: Somatostatin bremst weiterhin, IGF-1 wirkt weiterhin als Rückkopplung, und die Ausschüttung folgt Pulsen. Wachstumshormon fördert in der Leber die Bildung von IGF-1 und regt im Fettgewebe den Fettabbau an, besonders im viszeralen Fett um die Organe.
Was zeigen die Studien?
Viszerales Bauchfett bei HIV-Lipodystrophie
Manche Menschen mit HIV entwickeln unter antiretroviraler Therapie eine Umverteilung des Fetts mit vermehrtem Bauchfett. In zwei Phase-3-Studien (unter anderem Falutz et al., New England Journal of Medicine 2007) verringerte Tesamorelin das viszerale Fett nach 26 Wochen gegenüber Placebo deutlich, während das Unterhautfett kaum zurückging. Nach dem Absetzen kehrte das Bauchfett weitgehend zurück. Auf diesen Daten beruht die US-Zulassung von 2010.
Leberfett
Eine randomisierte Studie bei Menschen mit HIV und Fettleber (Stanley et al., Lancet HIV 2019) fand unter Tesamorelin einen Rückgang des Leberfetts und weniger Fortschreiten der Fibrose als unter Placebo. Das macht Tesamorelin für die Forschung zu Lebererkrankungen interessant.
Kognition im Alter
Eine Studie mit älteren Erwachsenen mit und ohne leichte kognitive Beeinträchtigung (Baker et al., Archives of Neurology 2012) beschrieb nach 20 Wochen Verbesserungen bei exekutiven Funktionen. Die Studie war klein; Bestätigungen stehen aus.
| Bereich | Studienlage |
|---|---|
| Viszerales Fett (HIV-Lipodystrophie) | Zwei Phase-3-Studien, Grundlage der US-Zulassung |
| Leberfett, Fibrose | Randomisierte Studie bei HIV mit Fettleber |
| Kognition | Kleine randomisierte Studie bei Älteren |
| Allgemeine Adipositas | Nicht als Indikation untersucht |
Nebenwirkungen
In den Studien traten vor allem Reaktionen an der Einstichstelle, Gelenk- und Muskelschmerzen, Wassereinlagerungen und Kribbeln in den Händen auf, also typische Folgen eines erhöhten GH- und IGF-1-Spiegels. Der Blutzucker kann steigen; in den Studien wurde er deshalb überwacht. Weil IGF-1 Zellwachstum fördert, war eine aktive Krebserkrankung ein Ausschlusskriterium.
Zulassung und Status
Tesamorelin ist seit 2010 in den USA für die Verringerung von überschüssigem Bauchfett bei HIV-assoziierter Lipodystrophie zugelassen. In der EU ist es nicht zugelassen. Als Wachstumshormon-Freisetzungsfaktor steht es auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Doping-Agentur.
Tesamorelin im Labor
In der Forschung dient Tesamorelin als gut charakterisiertes GHRH-Analogon, etwa für Studien zur pulsatilen GH-Freisetzung, zum viszeralen Fett oder zum Leberstoffwechsel. Mit 44 Aminosäuren ist es deutlich größer als Sermorelin; für die Identitätsprüfung ist die Massenspektrometrie deshalb besonders wichtig. Bei Peptidkauf ist Tesamorelin als Forschungsreagenz mit Laborbericht je Charge erhältlich, außerdem das Blend Tesamorelin + Ipamorelin.
Häufige Fragen
Was ist Tesamorelin?
Ein stabilisiertes Analogon des körpereigenen GHRH mit 44 Aminosäuren, das die Freisetzung von Wachstumshormon aus der Hypophyse anregt.
Wofür ist Tesamorelin zugelassen?
In den USA für die Verringerung von überschüssigem Bauchfett bei Menschen mit HIV-assoziierter Lipodystrophie. In der EU besteht keine Zulassung.
Was ist der Unterschied zwischen Tesamorelin und Sermorelin?
Sermorelin umfasst die ersten 29 Aminosäuren von GHRH und wird schnell abgebaut. Tesamorelin enthält alle 44 Aminosäuren und eine schützende Gruppe am Anfang.
Ist Tesamorelin dasselbe wie Wachstumshormon?
Nein. Tesamorelin regt die eigene Hypophyse an, Wachstumshormon freizusetzen; es ersetzt das Hormon nicht.
Fazit
Tesamorelin ist das am besten untersuchte GHRH-Analogon, mit Phase-3-Daten und einer US-Zulassung. Die Belege sind am stärksten für viszerales Fett bei HIV-Lipodystrophie, vielversprechend für Leberfett und vorläufig für Kognition. Für die Forschung ist es eine Referenzsubstanz der Wachstumshormon-Achse.



