Melanotan 2, Melanotan 1 und PT-141: die Melanocortin-Peptide erklärt
Peptidkauf Redaktion4 Min. Lesezeit

Melanotan 2 gehört zu den meistgesuchten Peptiden überhaupt, meist unter Stichworten wie „Bräunung“. Wissenschaftlich ist es Teil einer größeren Familie: der Melanocortin-Peptide, zu denen auch Melanotan 1 (Afamelanotid) und PT-141 (Bremelanotid) zählen. Zwei davon sind als Arzneimittel zugelassen, eines nicht, und gerade dieses wird am häufigsten außerhalb jeder Kontrolle verkauft. Dieser Beitrag erklärt, wie die drei Peptide wirken, worin sie sich unterscheiden und welche Risiken bekannt sind. Er beschreibt Forschung und enthält keine Anwendungs- oder Dosierungshinweise.
Das Wichtigste in Kürze
- Alle drei ahmen α-MSH nach, ein Hormon, das an fünf Melanocortin-Rezeptoren (MC1R bis MC5R) wirkt.
- Melanotan 1 wirkt vor allem an MC1R (Pigmentzellen) und ist als Afamelanotid für eine seltene Lichtkrankheit zugelassen.
- Melanotan 2 aktiviert mehrere Rezeptoren gleichzeitig und ist nirgends zugelassen; Behörden warnen vor frei verkauften Produkten.
- PT-141 entstand aus Melanotan 2 und ist in den USA als Bremelanotid zugelassen.
Das Melanocortin-System
α-MSH (Melanozyten-stimulierendes Hormon) ist ein Peptid aus 13 Aminosäuren, das aus dem Vorläuferprotein POMC entsteht, wie auch ACTH. Es wirkt über fünf Rezeptoren mit sehr unterschiedlichen Aufgaben:
| Rezeptor | Wo er vorkommt | Rolle |
|---|---|---|
| MC1R | Pigmentzellen der Haut | Bildung von dunklem Eumelanin, UV-Schutz |
| MC2R | Nebenniere | Cortisol-Bildung (nur durch ACTH) |
| MC3R, MC4R | Gehirn | Appetit, Energiehaushalt, Sexualverhalten |
| MC5R | Drüsen, Immunzellen | Talgdrüsen, Entzündung |
Je nachdem, welche Rezeptoren ein Peptid trifft, fallen die Wirkungen ganz verschieden aus. Genau das unterscheidet die drei Substanzen.
Melanotan 1 (Afamelanotid)
Melanotan 1 entstand in den 1980er Jahren an der University of Arizona. Zwei Austausche gegenüber α-MSH machen es stabil und deutlich potenter. Es wirkt weitgehend selektiv an MC1R und regt dort die Bildung von Eumelanin an.
Unter dem Namen Afamelanotid wurde es bei erythropoetischer Protoporphyrie geprüft, einer seltenen Erkrankung mit schmerzhafter Lichtempfindlichkeit. Seit 2014 ist es dafür in der EU als Implantat zugelassen, unter ärztlicher Aufsicht in spezialisierten Zentren. Mehr zum Molekül auf der Produktseite Melanotan 1.
Melanotan 2
Melanotan 2 ist ein kurzes, ringförmiges Peptid aus sieben Bausteinen, das dieselbe Arbeitsgruppe entwickelte. Durch die Ringstruktur ist es sehr stabil, aber kaum selektiv: Es aktiviert MC1R, MC3R, MC4R und MC5R. In frühen Studien fielen deshalb neben der Pigmentierung Übelkeit, Gesichtsrötung, Appetitverlust und spontane Erektionen auf.
Melanotan 2 wurde nie als Arzneimittel zugelassen. Trotzdem wird es seit Jahren im Internet als „Bräunungsmittel“ verkauft. Arzneimittelbehörden in mehreren europäischen Ländern, auch in Deutschland, haben vor solchen Produkten gewarnt, weil Qualität und Inhalt unbekannt sind und Risiken nicht untersucht wurden.
Bekannte Risiken
- Übelkeit, Erbrechen, Gesichtsrötung sind die häufigsten berichteten Effekte.
- Muttermale: Fallberichte beschreiben neu auftretende oder sich verändernde Muttermale und vereinzelt Melanome. Ob ein ursächlicher Zusammenhang besteht, ist nicht geklärt.
- Kreislauf: Blutdruckanstiege wurden beschrieben.
- Unbekannte Produktqualität: Frei verkaufte Präparate enthielten in Analysen teils falsche Mengen oder Verunreinigungen.
Für die Forschung ist Melanotan 2 ein Werkzeug, um mehrere Melanocortin-Rezeptoren gleichzeitig zu untersuchen. Mehr auf der Produktseite Melanotan 2.
PT-141 (Bremelanotid)
PT-141 entstand direkt aus Melanotan 2: Es ist dessen Variante mit freier Säure am Ende. Die Entwickler interessierten sich für den Effekt auf das Sexualverhalten, der über MC3R und MC4R im Gehirn vermittelt wird, und weniger für die Pigmentierung.
Als Bremelanotid ist PT-141 seit 2019 in den USA für eine eng begrenzte Indikation zugelassen: vermindertes sexuelles Verlangen bei Frauen vor der Menopause. In der EU ist es nicht zugelassen. In den Zulassungsstudien waren Übelkeit, Gesichtsrötung und ein vorübergehender Blutdruckanstieg die häufigsten Nebenwirkungen. Mehr auf der Produktseite PT-141.
Die drei im Vergleich
| Peptid | Rezeptoren | Status |
|---|---|---|
| Melanotan 1 (Afamelanotid) | Vor allem MC1R | EU-Zulassung für eine seltene Lichtkrankheit |
| Melanotan 2 | MC1R, MC3R, MC4R, MC5R | Nirgends zugelassen; Behördenwarnungen |
| PT-141 (Bremelanotid) | Vor allem MC3R, MC4R | US-Zulassung für eine begrenzte Indikation |
Melanocortin-Peptide im Labor
In der Forschung dienen die drei Peptide als Werkzeuge, um die Rolle einzelner Rezeptoren zu klären: Melanotan 1 für MC1R und Pigmentbildung, PT-141 für die zentralen Rezeptoren, Melanotan 2 als breiter Agonist. Weil die Peptide sich in der Masse ähneln, ist der Identitätsnachweis per Massenspektrometrie wichtig. Peptidkauf verkauft alle drei ausschließlich als Forschungsreagenzien mit Laborbericht je Charge, nicht zur Anwendung am Menschen und nicht als Bräunungsmittel.
Häufige Fragen
Was ist Melanotan 2?
Ein synthetisches, ringförmiges Peptid, das mehrere Melanocortin-Rezeptoren aktiviert. Es ist nicht als Arzneimittel zugelassen.
Was ist der Unterschied zwischen Melanotan 1 und Melanotan 2?
Melanotan 1 wirkt vor allem an MC1R und ist als Afamelanotid zugelassen. Melanotan 2 wirkt an mehreren Rezeptoren, auch im Gehirn, und ist nicht zugelassen.
Ist PT-141 dasselbe wie Melanotan 2?
Nein, aber eng verwandt. PT-141 ist eine Variante von Melanotan 2, die vor allem an Rezeptoren im Gehirn untersucht wurde.
Ist Melanotan in Deutschland erlaubt?
Melanotan 2 ist kein zugelassenes Arzneimittel; Behörden warnen vor frei verkauften Produkten. Als Forschungsreagenz ist es für Laborversuche bestimmt.
Fazit
Melanotan 1, Melanotan 2 und PT-141 zeigen, wie stark die Wirkung eines Peptids davon abhängt, welche Rezeptoren es trifft. Zwei davon haben es mit klar umrissenen Indikationen zur Zulassung geschafft. Melanotan 2 dagegen ist ein Forschungswerkzeug mit bekannten Risiken, dessen frei verkaufte Produkte Behörden zu Recht kritisch sehen.


